partnerbesuchsdienst
Wenn die Familie weggezogen ist oder Bekannte gestorben sind oder wenn Menschen ihre Wohnung krankheitsbedingt nicht mehr verlassen können, vermissen sie möglicherweise einen Gesprächspartner. Sie sprechen tagelang mit niemandem und wünschen sich eine Person, von der sie Neuigkeiten erfahren oder mit der sie Erinnerungen austauschen können. Doch in jedem Augenblick besteht die Chance, etwas Neues anzufangen.
Der Partnerbesuchsdienst ist das gemeinsame Angebot der NEULAND Stiftung, der Allertal Wohnungsgesellschaft und des Senioren- und Pflegestützpunktes der Stadt Wolfsburg. Er vermittelt alleinstehenden Seniorinnen und Senioren einen Gesprächspartner im Alltag – einen Menschen zum Austausch von Erinnerungen und zum Besprechen von Neuigkeiten. Wie oft, das entscheiden die „Tandems“ selbst.
„Pflege oder Putz- und Einkaufsdienste sind hier kein Thema. Wir bieten die Möglichkeit, sich zu unterhalten. Es ist immer wieder schön zu sehen, wenn sich zwischen zwei zunächst Fremden ein Vertrauensverhältnis entwickelt“, so Herbert Haun, Geschäftsführer der NEULAND Stiftung.
Der erste Besuch wird begleitet. Nur wenn die Chemie stimmt, geht es weiter. „Oft entstanden enge Freundschaften. Eine Ehrenamtliche hat zum Beispiel für ihre Besuchspartnerin eine Geburtstagsfeier ausgerichtet. Manchmal wurde ein Haustürschlüssel ausgehändigt. Auch nach dem Umzug in ein Pflegeheim blieben viele Kontakte bestehen“, berichtet Klaus-Dieter Lenz (Senioren- und Pflege-Stützpunkt Wolfsburg).
Auch für die Ehrenamtlichen sind die Besuche eine Bereicherung ihres Lebens. Die Häufigkeit der Besuche richtet sich nach den Bedürfnissen der älteren Menschen und den Möglichkeiten der Partnerinnen und Partner. Der Partnerbesuchsdienst unterstützt und begleitet durch regelmäßigen Erfahrungsaustausch und Fortbildung zu fachbezogenen Themen. Vor Beginn der Tätigkeit treffen sich die Ehrenamtlichen an drei Abenden, um sich auf die Besuche vorzubereiten.
alltagsgespräche

Irmgard Bloch erzählt, wie der Partnerbesuchsdienst ihr Leben bereichert

Eine Begegnung berührte Irmgard Bloch besonders. „Ich war gerade aus meinem Haus in die Seniorenresidenz umgezogen. An dem Tag ging es mir wirklich schlecht“, erzählt die 82-Jährige. „Da stand Herr Wonneberger plötzlich im Foyer. Er überreichte mir ein Körbchen mit Brot, Salz und Kaffee. Das war ein Erlebnis wie ein Wunder. Der Schmerz war wie weggeflogen.“ Rund fünf Jahre treffen die beiden sich nun schon regelmäßig – wöchentlich dienstags zum Teetrinken und Erzählen.
Kai-Uwe Wonneberger, keine vierzig Jahre alt, arbeitet im Controlling bei VW. In der Freizeit wollte er gern ein Ehrenamt übernehmen. „Wenn ich komme, steht schon Gebäck auf dem Tisch. Ich setze Tee auf. Arbeitsteilung“, erzählt er. „Dann stellen wir oft Musik an – etwa interessante ukrainische Volksmusik.“ Der Kontakt zu Irmgard Bloch brachte mit sich, dass er erstmals eine Oper sah. Sie erlebten auch zusammen ein Orgel- und ein Neujahrskonzert.
Kennengelernt haben sich die beiden durch den Partnerbesuchsdienst. „Regelmäßiger Besuch war mir sehr willkommen. Ich fühle mich schon manchmal allein“, sagt sie. „Wir erzählen aus unseren Leben und regen uns auch mal über Politik auf. Ich höre auch gern seine Meinung zu Dingen, die mich beschäftigen.“ Kai-Uwe Wonneberger schätzt das Ehrenamt: „Man wächst zusammen. Die Besuche tun uns beiden gut.“ Irmgard Bloch lächelt: „Er freut sich auch auf die Kekse.“

Das Interview führte Michael Völkel für die NEULAND Wohnungsgesellschaft.

Haben Sie Interesse, besucht zu werden? Möchten Sie ehrenamtlich mitarbeiten? Dann melden Sie sich bitte bei der NEULAND Stiftung Wolfsburg.

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